4.3.3.1 Vorherbefragung der Lehrkräfte – Auswertung

Hier werden thematisch geordnet die fallunspezifisch herausgearbeiteten Kategorien inklusive einer Überschrift präsentiert und anhand originaler Textstellen belegt. Je nach Themenbereich sind in der Auswertung zwischen einer und drei Kategorien entstanden.

Übergeordnete, resümierende Fragen

Kategorie 1a: Binnendifferenzierung: Die digitale Lehre stärkt individuelle Lernwege und bietet für heterogene Gruppen eine präzisere Binnendifferenzierung durch Variationsmöglichkeiten und flexible Schwierigkeitsgrade in der Aufgabenstellung.

„die Chance ist, dass man stärker differenzieren kann meines Erachtens. Zwischen Schülern, die Förderung brauchen und Schülern, die gefordert werden müssen, ne. Das man das besser auch kontrollieren kann“ (I:Fischer, Z:974). „könnten wir die Materialien auch nach Schwierigkeitsstufen dazu zur Verfügung stellen, lies da nochmal nach oder guck den Film.“ (I:Becker, Z:113). „Da kann ich im Loop also wunderbar binnendifferenzieren und kann da entsprechend was anpiepen (.) Und dann kann ich natürlich letztendlich in der Aufgabenstellung/ genauso kann ich sehr, sehr stark variieren“ (I:Schneider, Z:325).

Kategorie 1b: Problemidentifikation: Durch die Nachvollziehbarkeit und die Kontrollfunktion sind Schülerinnen und Schüler mit Problemen schneller identifizierbar.

„gut man kriegt ja Rückmeldung über Hausaufgaben und Bearbeitung von Aufgaben, dass es vielleicht nicht ganz so läuft wie es sollte. Aber (..) jetzt vielleicht wenn es digital da ist und man nicht fragen muss, sondern man hat es einfach“ (I:Müller, Z:492). „Diese Kontrollfunktion kann man glaub ich online noch besser machen, dadurch das man ja online gestellte Aufgaben immer wieder bittet die Schüler die zu machen und man würde sehen ob denen das im ersten Versuch gelungen ist oder im zweiten oder im dritten, ob da einer nur try and error macht, ne“ (I:Fischer, Z:524).

Kategorie 1c: digitale Möglichkeiten:

Die digitale Lehre ermöglicht die Integration von externem Expertenwissen, Online-Exkursionen sowie Webkonferenzen und ermöglicht, ganze Unterrichtsstunden nachzuholen.

„dass man eben auch Expertenwissen, das man eben sonst schwierig in den Unterricht miteinbringen kann, dass man das einfach mit in den Unterricht einbringen kann, ne. Also Expertisen vom Fach, von Fachleuten, ne.“ (I:Fischer, Z:1029). „die Unterrichtsstunde ist aufgezeichnet worden guck dir das als Video an. Ist vielleicht für den sogar besser als wenn er sich die Materialien einfach von seinen Mitschülern geben lässt. Weil das ist wirklich auffällig, für viele Schüler ist es einfacher, für die schwächeren Schüler, die verstehen es dann doch besser, wenn sie vor Ort sind“ (I:Fischer, Z:538).

Didaktik des Lehrmaterials

Kategorie 2a: Reflexion der Lehrmaterialerstellung: Herausforderungen bei der Digitalisierung des Lehrmaterials waren die geringe Zeitressource (nur ein Lernfeld) und die Erstellung didaktisch wertvoller aber zeitintensiver Loops sowie die räumliche Trennung, finanzielle Einschränkungen der Möglichkeiten, schulunterschiedliche Curricular und gewünschte Materialabsehbarkeit.

„also die Texte die dann die Schülerinnen über den Loop beziehungsweise über das Moodle erhalten. Das hat relativ lange gedauert, weil wir natürlich selber die Texte schreiben mussten“ (I:Fischer, Z:33). „Also deswegen, da haben sie abgeblockt, aber ich bin davon ausgegangen, wenn ich das vorhätte wäre das möglich. Das ist nicht so weil da eben Geldprobleme dann entstehen.“ (I:Becker, Z:252). „es fängt ja schon damit an, dass wir unterschiedliche schulinterne Curricular hatten. da haben wir uns erst mal auf eines geeinigt (I:Müller, Z:248). „natürlich könnte ich da Stunden verbringen und vielleicht müssen wir es ehrlich gesagt auch noch um wirklich, das didaktisch runder zu machen.“ (I:Schneider, Z:224).

Kategorie 2b: Lernfelder: Alle Lernfelder eignen sich für die digitale Lehre, insbesondere bei Expertenwissen/Praxiseinblicken. Für zusammenarbeitende Schulen sind aufgrund unterschiedlicher Lehrbücher nur Lernfelder mit abstrakten Themenbereichen und ohne Modellunternehmen sinnvoll.

„Es eignen sich vor allem die Lernfelder wo man vielleicht viel Expertenwissen braucht wo man n Einblick auch in die betriebliche Tätigkeit braucht“ (I:Fischer, Z:798). „I: Ja, okay. (..) Was meinst du denn allgemein, welche Lernfelder eignen sich für die Online-Lehre? B: Wie welche eignen/ jedes.“ (I:Becker, Z:214). „also bot sich das sehr an, dass wenn wir Holzminden und Duderstadt zusammenarbeiten wollen, das wir dann relativ unabhängig von irgendwelchen Lehrbüchern sind, weil die Lehrbücher eben stark mit Lernsituationen und mit Modellunternehmen arbeiten, das brauchen wir bei Lernfeld sieben gar nicht so stark. Deswegen bietet sich das sehr an.“ (I:Schneider, Z:716).

Rolle der Lehrkraft

Kategorie 3a: Anforderungen an Lehrkräfte: Die digitale Lehre steigert den Methodenpool und die Medienkompetenz der Lehrkräfte und erfordert Medienaffinität, technisches Hintergrundwissen sowie Flexibilität, Zeitmanagement, selbstständige mediale Problemlösung und Offenheit vor Neuem.

„sie sollten affin sein, sollten keine Angst haben mal was Neues auszuprobieren, ne. Sie sollten vielleicht auch mal Probleme selbstständig lösen können, ne. Also das sie selbst wissen ‚oh jetzt hab ich hier vielleicht kein Zugang über W-Lan, wie kann ich denn über mein Handy trotzdem/ und ich hab vielleicht auch grad keine Daten gerade da, wie kann ich denn das Handy als Router benutzen‘, sowas sollte schon möglich sein.“ (I:Fischer, Z:647). „Joa, also sicherlich eben einfach mein Methodenpool hat sich nochmal deutlich erweitert, ne. Weil man einfach/ da sind auf einmal Methoden möglich, die halt sonst nicht möglich sind.“ (I:Schneider, Z:861). „Also er muss schon gewisse Affinität zu EDV haben, (.) sonst wird das auch nichts.“ (I:Müller, Z:642). „aber man muss die Grundvoraussetzung, wenn du nicht irgendwie einen Draht dazu hast mit dem PC zu arbeiten also wenn ich da an den Rest meines Kollegiums denke (.) da sind 50 Prozent relativ schnell an ihrer Grenze, ne.“ (I:Becker, Z:130).

Kategorie 3b: Rolle und Beruf der Lehrkraft: Lehrkräfte in der digitalen Lehre sind verstärkt beratend, begleitend, motivierend sowie verwaltend und organisierend tätig, was für moderne Lehrkräfte wenig Änderung bedeutet und in der Lehrerausbildung stärker fokussiert werden wird. Dennoch müssen alle Lehrkräfte sensibilisiert und mitgenommen werden.

„Ich denke man muss mehr als Motivator, man muss den Schülern mehr versuchen deutlich zu machen, dass die das aus einer eigenen Motivation heraus bearbeiten sollen, ne. Man ist eher Berater, man ist nicht mehr so/ ja steht nicht mehr so im Fokus.“ (I:Fischer, Z:470). „Man muss das kleinschwellig anfangen und die Kollegen einfach mitnehmen, ne.“ (I:Becker, Z:140). „Ach letztendlich ändert die sich glaube ich gar nicht so sehr, weil ich auch jetzt ja schon doch auch der Begleiter bin (.) also, es mag sein, dass es auch immer noch den ein oder anderen Kollegen gibt der da wirklich quasi ausschließlich frontal arbeitet. Aber, das ist, ist ja wirklich eine aussterbende Spezies, das gibt es nicht mehr, also, es ist tatsächlich sehr viel Schüleraktiv, der Schüler macht selbst und der Lehrer ist quasi/ begleitet das Ganze und steuert.“ (I:Schneider, Z:512).

Organisation digitaler Lehre

Kategorie 4a: Lehrbucherarbeitung: Die Lehrbucherarbeitung ist aufgrund von Urheberrechtsproblematik, illusorischem Zeitaufwand sowie der Überschreitung von Fachkompetenzen nur schwierig von Lehrkräften zu leisten. Schulexterne Experten wie Verlagsautor/inn/en oder eine Kommission aus Akteur/inn/en der digitalen Lehre sind für die Erstellung des Lehrbuchs sinnvoller.

„sind dann relativ schnell auch auf die Problematik des Urheberrechtsschutzes gestoßen“ (I:Fischer, Z:27). „Wenn ich ganz ehrlich bin wäre es das Beste, wenn, wenn sowas eben in Zusammenarbeit mit einem Verlag, entsteht. Die eben Autoren haben, die wissen wo die Schwierigkeiten sind, die die ganzen Fallstricke kennen, das wär aus meiner Sicht her das Optimalste“ (I:Fischer, Z:178). „Und wir können es nicht selber erstellen, also das ist, also dann muss man im Grunde wirklich zwei Lehrer vollkommen dafür abstellen“ (I:Schneider, Z:108). „Und was die online Digitalisierung von Büchern bedeutet da würde ich einen Verlag nehmen, das steht in keinem Verhältnis, wenn wir das selber machen.“ (I:Becker, Z:171). „Meine Idee ist ganz klar, wenn ich das größer aufziehe entweder muss ich einen Verlag dazu ziehen, wenn ich das nicht will weil ich mich abhängig mache als Land Niedersachsen von einem Verlag dann muss ich halt eben das selber auf die Beine stellen, aber eben mit professionellen Leuten.“ (I:Schneider, Z:181).

Kategorie 4b: notwendige Prozesse: Während frühe Fortbildungen in Moodle notwendiger Standard für Lehrkräfte der digitalen Lehre sind, bietet die Reflexion mit und das Erheben des Vorwissens von Schülerinnen und Schülern Vorteile bei der Lehrmaterialzusammenstellung.

„Also Moodle auf alle Fälle. (I: Mhm (bejahend)) Weil wenn man mit den/ mit Moodle arbeiten will dann auf alle Fälle“ (I:Fischer, Z:620). „ich hätte die Fortbildung gerne am Anfang des Prozesses gehabt“ (I:Fischer, Z:584). „also ich würde mich halt noch viel mehr fortbilden was Moodle betrifft und welche Sachen man da vielleicht noch umprogrammieren könnte und sie noch anders nutzt (I: Mhm (bejahend)) (..). Das ist dann da wo noch viel Spielraum nach oben ist.“ (I:Becker, Z:315). „für diejenigen dies nutzen, muss einmal Oberfläche Moodle, Einstellungsmöglichkeiten bei zum Beispiel Arbeitsaufträgen, mal rein gucken bei Berichten also eher so das Handling, aber auch ganz leicht, was muss ich anpassen. (.) Weil das ja wirklich sehr schulspezifisch ist und vor allen Dingen wie kann ich die Materialien so anpassen, dass sie für meinen Unterricht benutzbar sind und wo muss ich drauf achten.“ (I:Müller, Z:316).

Schulorganisatorischer Handlungsrahmen

Kategorie 5a: Arbeitsaufteilung und Erarbeitungsstruktur: Die Arbeitsaufteilung zur Erarbeitung der Lehrmaterialien in Teamstruktur ist ohne räumliche Trennung und sofern es sich nicht um aufeinander aufbauende Themenschwerpunkte handelt sinnvoll, sollte aber in Tages- oder Wochenblockung geschehen und bedarf wesentlich mehr Freistellung seitens der Lehrkräfte.

„Man hätte ja auch alles blocken können, also die zwei, die drei Tage die wir hier am Stück gearbeitet haben, waren effektiver als wenn man das alles auf (I: Mhm (bejahend)) verteilt hätte, ne.“ (I:Müller, Z:161). „Rückblickend war das gut. Denk ich auch, weil wir uns gegenseitig natürlich befruchtet haben in unserer Arbeit. Wir haben dann ab und zu auch mal ja Telefonkonferenzen oder wir haben auch mal eine Webkonferenz ausprobiert, weil wir das ja von den Schülern auch verlangen, ne. Und (.) durch, ja durch Termine die wir zwischendurch immer mal wieder hatten, haben wir uns natürlich auch gesehen und konnten uns da nochmal genauer absprechen, ne“ (I:Fischer, Z:112). „Entweder haben wir die Freizeit geopfert, oder haben vielleicht an anderer Stelle ein bisschen was abgeschnitten wo wir einfach Dienst nach Vorschrift gemacht haben wo wir sonst vielleicht ein bisschen mehr gemacht hätten [...] Na ich würde schon sagen, dass man ein Viertel der normalen Arbeitszeit die man sonst hätte eigentlich als Entlastung bekommen müsste.“ (I:Fischer, Z:438).

Kategorie 5b: Schulorganisatorische Rahmenbedingungen: Die digitale Lehre ist von schulorganisatorischen Rahmenbedingungen wie flexiblen Unterrichtszeiten und Taktungsmöglichkeiten (Lernfeld halbjährlich) sowie schulübergreifender Lehrkrafteinteilung abhängig.

„Einfach nur auch das man die Unterrichtszeit über die normale, bisher normal bekannte Unterrichtszeit vielleicht hinaus dehnen kann, dass man auch mal sagen kann gut wir machen auch mal Samstag Unterricht oder wir machen auch mal abends Unterricht, ne. Dass das eben zulässig sein muss. “ (I:Fischer, Z:784). „Aber in der Stunde. Und das wird sich ändern. Dass man jetzt nicht nur in der Stunde, sondern vielleicht auch außerhalb der Schule, der Schulzeit, zur Verfügung steht. (I: Mhm (bejahend)) Muss sozusagen auch. Es kann natürlich/ der Vorteil ist eben, gut wenn man zwei Klassen hat und zwei befreundete Schulen, dass dann von vier Lehrern immer mal einer, (I: Mhm (bejahend)) mal da sein muss.“ (I:Müller, Z:628). „ich glaube eher, dass wir das Lernfeld dann im Grunde konzentrieren aufs erste Halbjahr. Also so könnte man sich das zum Beispiel auch vorstellen. Also dass wir schon jede Woche machen und zwei Stunden machen aber dann im Grunde im zweiten Halbjahr gibt’s kein Lernfeld sieben mehr, sondern da wird dann halt irgendwas anderes unterrichtet. Weil einfach dieses Einstündige ist eine Katastrophe, also das ist völlig/.“ (I:Schneider, Z:786).

Kategorie 5c: technische Anforderungen: Die digitale Lehre stellt sowohl an die Einrichtung Schule als auch an Lehrkräfte (auch zuhause) hohe technische Anforderungen wie eine moderne Ausstattung, belastbare Breitbandanbindung sowie flächendeckendes, sicheres W-Lan.

„sondern das Wichtigste ist eine Breitbandanbindung. […] Ja sicheres, also sicheres W-Lan in allen Gebäudeteilen ist auch wichtig, also dass man das über, äh Access-Points gut verteilt hat.“ (I:Fischer, Z:727). „Ja also ansonsten denke ich, muss ich auch vielleicht halt eben Zuhause ausgestattet sein, ich als Lehrkraft ne. Nicht nur die Schule, sondern ich als Lehrkraft, wenn ich halt eben um 19:30 Uhr eine Videokonferenz mache mit meinen Schülern, dann muss ich halt zuhause/ weil das wird eben auch zuhause laufen. Dann muss ich halt entsprechend das auch zuhause dann, muss ich da alles vorrätig haben und da haben ne.“ (I:Schneider, Z:578).

Übertragbarkeit

Kategorie 6: Übertragbarkeit der Lehrmaterialien: Die erarbeiteten digitalen Lehrmaterialien sind mit entsprechender Anpassung ausbildungsgangübergreifend und auch schulformübergreifend verwendbar.

„Ich denke schon, ja. Also die sind nicht nur, sind nicht nur speziell für den Ausbildungsgang äh Groß- und Außenhandel, sondern wie wir sie jetzt erstellt haben bin ich der Meinung sie können in jedem Ausbildungsgang verwendet werden, ne, beziehungsweise auch in Vollzeitbildungsgängen.“ (I:Fischer, Z:849). „Ja, auch auf andere Schulformen. Auf Fachoberschule oder aufs berufliche Gymnasium mit Sicherheit auch. Da muss man vielleicht dann noch tiefer gehen, das mag sein, ne, aber das lässt sich ja auch ohne weiteres gestalten, ne.“ (I:Fischer, Z:872).

Betriebliche Sicht

Kategorie 7a: Ausbildungsberufe- und Standortsicherung: Die digitale Lehre sichert die Vielfalt der Berufelandschaft und Berufsschulstandorte (z.B. durch extern verfügbares Spezialwissen), womit Ausbildungsplätze weniger von unattraktivem Pendeln gefährdet werden.

„Also die Chance ist natürlich, dass man Ausbildungsberufe, die bisher ja das Problem hatten, dass nicht genügend Auszubildende für einen Standort da sind, dass man mit Hilfe der online-Lehre, der digitalen Lehre die Fahrwege verkürzt oder reduziert, dass mehr/ dass man trotzdem den Beruf vor Ort erhalten kann, was eben sonst nicht möglich wär anhand der rechtlichen Vorgaben, dass man eben vierzehn Auszubildende mindestens in einer Klasse braucht, ne. Das eben die Berufelandschaft sich da nicht drastisch einschränken muss.“ (I:Fischer, Z:968). „Also ich glaub das sind die, die Betriebe halt irgendwie es vielleicht leichter haben wieder Azubis zu finden weil die Azubis nicht mehr so häufig nach Duderstadt fahren müssen zum Beispiel also das ist n Argument und ich glaube das wird dann, das zieht dann auch, ne.“ (I:Schneider, Z:905).

Kategorie 7b: Anforderungen an Betriebe: Die digitale Lehre passt in den Zeitgeist der Digitalisierung des beruflichen Alltags der Auszubildenden, doch müssen Betriebe die Selbstdisziplin aufbringen, Arbeitszeitgewinn durch digitale Lehre im Betrieb nicht auszunutzen.

„es gibt sicherlich auch Betriebe die sagen ‚ne das kannst du schön nach Feierabend machen‘. Und dann würde man die ganze Zeit die man einspart, den Betrieben zur Verfügung stellt, auf den Schultern der Schüler abladen. Das sehe ich als problematisch an so ein bisschen. [...] Wie gesagt, wenn da jemand sitzt, dann ist er da. Und wenn gerade Not am Mann ist, dann wird der geholt.“ (I:Müller, Z:713). „oder wenn du moderne Betriebe hast, die dann richtig sehen wollen, dass sie das auch gebrauchen können, also Videokonferenzen zum Beispiel solche Kleinigkeiten könnte man sonst wie einbauen aber das macht mittlerweile immer mehr ist das Gang und Gebe. Ne, die Hauptzentralen der Berufsschüler sind sonst wo in Hamburg und alle müssen dann da eben einmal die Woche Rechenschaft ablegen. So und da sehe ich schon Riesenchancen“ (I:Becker, Z:344).

Schüler/innen Sicht

Kategorie 8a: Anforderungen an SuSSchüler und Schülerinnen: Die digitale Lehre erfordert von den Schülerinnen und Schülern auf der Ebene der Selbstständigkeit erhöhte Disziplin, Verantwortung, Organisations- und Zeitmanagement sowie eine gewisse intrinsische Motivation, auf der technischen Ebene die notwendige Ausstattung als Teilnahmevoraussetzung sowie auf der Kompetenzebene mediale Kompetenzen.

„auch nicht immer wissen, wie sieht das aus bei (.) ja, der Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler, was können wir ihnen alles zumuten, wie viel können wir in Selbstverantwortung übertragen und wo müssen wir vielleicht nachsteuern.“ (I:Fischer, Z:50). „Technisch glaub ich hat die Gruppe die ich habe nicht so das Problem. Da werden ein, zwei dazwischen sein, die einen Anschluss brauchen aber die werden nicht das technische Problem kriegen.“ (I:Becker, Z:241). „aber letztendlich auch da muss der Azubi aufpassen, dass es irgendwie dann halt nicht statt 40 Stunden auf einmal 60 Stunden die Woche arbeitet.“ (I:Schneider, Z:922).

Kategorie 8b: Veränderung durch digitales Curriculum: Die digitale Lehre ist ständig und überall verfügbar, fördert die Medienkompetenz und verringert die Abhängigkeit von physischen Materialien, allerdings werden die Schülerinnen und Schüler einen erhöhten Zeitaufwand haben und die Diskussionskultur leidet unter dem zu digitalisierten Alltag.

„Dann eben was ich schon gesagt habe eben, die Chance ist eben auch, dass man immer darauf zugreifen kann, ne. ist ein Vorteil, ne. Ständige Verfügbarkeit“ (I:Fischer, Z:978). „was so mein persönliches Anliegen auch wäre, dass sie/ ich möchte nicht auf Präsenzphasen verzichten. (I: Mhm (bejahend)) weil die Schüler sind, (..) die sind sowieso schon/ machen viel am Handy und treffen sich nicht mehr und kommunizieren nicht mehr miteinander außer vielleicht über (.) WhatsApp.“ (I:Müller, Z:526).

Kategorie 8c: Sonstige Wirkung auf SuS: Die digitale Lehre als neues Phänomen steigert Attraktivität und Lernmotivation, die soziale Komponente birgt sowohl das Risiko zu kurz zu kommen als auch die Chance schulübergreifender Tätigkeit.

„Also das heißt, es wird dadurch tatsächlich attraktiver glaub ich (..) es wird also für die Schüler attraktiver (.) dadurch ist die Lernmotivation erst mal höher“ (I:Schneider, Z:891). „Also aber ich mein auch da können wir ja tatsächlich das nutzen. Also wir hatten, haben zum Beispiel/ eine Aufgabe sieht vor, dass unsere Schüler den Schülern in Holzminden etwas präsentieren (.) und andersrum, also da eröffnen wir das Ganze sogar, sie haben also nicht nur ihren Klassenraum, ihre Klasse, sondern auf einmal haben sie auf einmal Leute die in Holzminden sitzen und die sie nicht kennen, oder wahrscheinlich nicht kennen. (.) Von daher kann man den Kreis ja sogar noch weiter ziehen und noch mehr soziale Kontakte zulassen.“ (I:Schneider, Z:1008).

Subkategorien/nicht thematisch zugehörige Kategorien

Kategorie 9: Sonstiges: Verlust von Aspekten der Gestik und exemplarischer Charakter des Projekts.

„ich glaube schon, dass das was anderes ist, als wenn, wenn sie jede Stunde damit konfrontiert würden. Also von daher muss man auch vorsichtig sein später mit den Ergebnissen“ (I:Müller, Z:568). „Also dieses, ich bin jemand zum Beispiel ich arbeite sehr, sehr viel mit kleinen Gesten. Also mit Blick, ich arbeite sehr viel mit Blickkontakt, ich arbeite sehr viel mit lächeln, ich arbeite sehr viel mit Körperhaltung (.) mit Bewegung im Raum (.) ich arbeite damit sehr viel, ich halte das für wichtig und das ist eine Ebene die mir auf einmal verloren geht.“ (I:Schneider, Z:939).