2.1 Vielfalt der Konzepte und Modelle

Die grundlegenden Gestaltungsoptionen von Blended Learning sind mannigfaltig. Der Begriff Blended Learning bezeichnet Lehr-Lern-Formen, bei denen die Vorteile von Offline (reale Lernumgebung)- und Online (digitale Lernumgebung)-Veranstaltungen didaktisch sinnvoll kombiniert werden. Beurteilt man unterschiedliche Lehr-Lern-Formen nach dem Grad ihrer Virtualisierung, wird Blended Learning zwischen medial aufbereitetem Präsenzunterricht und reinen virtuellen (Online-) Lehrveranstaltungen verortet (vgl. Garrison & Kanuka 2004).

Der Begriff Blended Learning bezeichnet hybride Lehr-Lern-Szenarien, bei denen die Vorteile von Präsenz- und Online-Veranstaltungen didaktisch sinnvoll kombiniert werden. Es geht darum:

Zitat
  • dass die Bestandteile eines Lernangebotes immer von Rahmenbedingungen des didaktischen Feldes abhängen und
  • dass sich ein Lernangebot vor allem durch eine kluge Kombination unterschiedlicher medialer und methodischer Elemente auszeichnet (Kerres 2012, S.106).

Manche Autoren integrieren andere Eigenschaften der hybriden Lehr-Lern-Szenarien wie bspw. Einzel- vs. Gruppenlernen, problemorientiertes vs. erklärendes Lehren oder Art der medialen Unterstützung (vgl. Petko 2014, S.100 ff.).

Beurteilt man unterschiedliche Lehr-Lern-Szenarien nach dem Grad ihrer Virtualisierung, kann BLBlended Learning zwischen medial aufbereitetem Präsenzunterricht und rein digitalen (Online-) Lehrveranstaltungen verortet werden. (vgl. Garrison & Kanuka 2004).


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In diesem Kontinuum von Präsenz- und Online-Lehrveranstaltungen werden verschiedene Methoden, Medien und (Lern)-Theorien miteinander verknüpft. Wie hoch der Anteil der Online-Phase sein soll, wurde und wird kontrovers diskutiert (vgl. Mandl et al. 2004).

Entscheidend ist jedoch, dass mit BL ein an den aktuellen Bedingungen der Lernbedarfe und der Lernumgebung orientiertes, kontinuierliches Lehr-Lern-Szenarium entsteht. In ihm ist die Taktung und Sequenzierung der einzelnen Aktivitäten an einem pädagogischen Gesamtkonzept ausgerichtet, das die

  • organisatorischen,
  • curricularen,
  • didaktischen und
  • technischen Rahmenbedingungen

entsprechend berücksichtigt (vgl. Dziuban et al. 2005; Petko 2014; Petko et al. 2009; Czerwionka & Witt 2006; Kerres 2012).

Durch die Kombination und Integration in ein hybrides Lernarrangement sollen die jeweiligen Vorteile verstärkt bzw. Nachteile gemindert werden, oder wie Christensen et al. formulieren:

Zitat
hybrid form is an attempt to deliver ‘the best of both worlds’ - that is, the advantages of online learning combined with all the benefits of the traditional classroom (Christensen et al. 2013, S.5).

Damit wendet sich BL gegen die Monokultur digitaler Lehr-Lern-Szenarien, die nicht für jede Lernaktivität und jedes Lernziel geeignet sind. Es gilt zu berücksichtigen, dass

  • ein „großes Maß an zeitlicher und räumlicher Flexibilität (...) den vielfältigen Bedingungen und Voraussetzungen von Menschen mehr entgegenkommen“ (Kerres 2012, S.106) als reine Präsenzveranstaltungen,
  • die Parameter der didaktischen Gestaltung und Phasenbildung von Lehr-Lern-Szenarien in die On- / Offline-Struktur der Lernumgebungen eingebunden werden (vgl. Arnold et al. 2011, S.117 ff.),
  • Lernziele und zu erwerbende Kompetenzen auf die Methoden abgestimmt werden (vgl. Reinmann-Rothmeier 2003),
  • der Einsatz von Medien in angemessener Weise (selbstgesteuert und kooperativ) berücksichtigt wird (vgl. Kerres 2012; Arnold et al. 2011),
  • problemorientierte Methoden (projekt- bzw. problembasiertes Lernen) durch den Medieneinsatz im BL unterstützt werden (vgl. Kerres 2012),
  • durch die Integration von Sozialen Medien (Twitter, Facebook, Google etc.) das Lernklima und der Lernerfolg positiv beeinflusst werden können (vgl. Hall Davison 2007; Nückles et al. 2004).

Sind die Lehrinhalte digital vermittelt (Text, Videos, Audios, Folien, Podcasts, Animationen u.a.m.) und online über Intra- und Internet zugänglich, können die Lernenden diese flexibel und den eigenen Lernbedürfnissen entsprechend abrufen und bearbeiten. So können die Lernenden nach Sauter et al.

Zitat
die heute verfügbaren Möglichkeiten der Vernetzung über Internet oder Intranet in Verbindung mit ‚klassischen‘ Lernmethoden und -medien in einem sinnvollen Lernarrangement optimal nutzen (Sauter et al. 2004, S.68).

Mit der Nutzung des Internet ist weit mehr als die bloße Recherche, die überwiegend Datenbanken oder Suchmaschinen übertragen wird, zu verstehen, sondern sie impliziert einen eigenständigen Lehrgegenstand. Hybride Lehr-Lernkonzepte ermöglichen „Lernen, Kommunizieren, Informieren und Wissensmanagement, losgelöst von Ort und Zeit in Kombination mit Erfahrungsaustausch, Rollenspiel und persönlichen Begegnungen im klassischen Präsenztraining“ (ebd.).

In den Präsenz-Veranstaltungen stehen auf der Basis der Lehrinhalte verschiedene soziale Interaktionen zwischen Lehrenden und Lernenden im Zentrum. Damit die Kombination möglichst optimal vonstattengeht, müssen die On- und Offline-Phasen in eine entsprechende didaktische Passung und lernszenarische Abfolge gebracht werden.

Aus der
Praxis
Der Einsatz digitaler Lernelemente und -räume im berufsbildenden Kontext kann auf verschiedene Weisen stattfinden: Einerseits können Medienelemente wie Videos und Links, aber auch „digitale Werkzeuge“ wie Lern-Apps oder Applikationen zum kooperativen Arbeiten in den „normalen“ Schulalltag eingebunden werden. Dies fußt derzeit i.d.R. auf dem Engagement und der Digitalaffinität der Lehrpersonen selbst. Verfolgt eine Schule allerdings das Ziel, Lernen mit digitalen Medien systematisch zu fördern, ist ein strategisches Umsetzungskonzept notwendig.